
SOLANG a Bäurin zvü ockat, oba zweng Aunerkennung ernt, bin i Feminist:in.
AS LONG AS women farmers toil in the fields but reap little reward, I will be a feminist.
Im Rahmen des WEIN/4-Festvials montieren wir am 5. Mai unser 35. Netz an die Fassade des Siloturms der Hasitschka Agrarhandel GmbH in in Raasdorf, Niederösterreich. Das 550 m2 große, handbestickte Netz rückt Frauen in der Landwirtschaft in den Mittelpunkt.
2026 wurde von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der Bäuerin“ erklärt. Ziel ist es, die wichtige Rolle von Frauen in der weltweiten Land- und Ernährungswirtschaft sichtbarer zu machen, ihre Leistungen anzuerkennen und ihre Stärkung sowie Gleichberechtigung zu fördern. Mit Blick auf dieses Jahresthema und den sehr speziellen Installationsort, den Familie Hasitschka dankenswerterweise mit ihrem Siloturm in Raasdorf dem Kunstprojekt zur Verfügung stellt, lag die Entscheidung nahe, die Bäuerinnen in den Fokus des 35. SOLANGE-Satzes zu nehmen:
SOLANG a Bäurin zvü ockat, oba zweng Aunerkennung ernt, bin i Feminist:in.
Der Satz im Weinviertler Dialekt macht unübersehbar, was für viele Bäuerinnen trauriger Alltag ist: Sie arbeiten viel, mit hohem körperlichem Einsatz und wenigen freien Tagen, für hochwertige landwirtschaftliche Produkte, die uns allen zugutekommen. Tiere müssen täglich versorgt werden, Pflanzen regelmäßig gepflegt, die Ernte kann nicht verschoben werden. Die Klimakrise trifft die Landwirtschaft als erstes. Das unablässige Schaffen der Bäuerinnen bei jedem Wetter, bei Kälte und Hitze – sehr oft in Kleinbetrieben, wo der Arbeitseinsatz hoch und die Erträge gering sind – bleibt jedoch im Verborgenen.
Dazu die Künstlerin und Initiatorin von SOLANGE, Mag.a art. Katharina Cibulka:
„In zahlreichen Gesprächen mit Bäuerinnen habe ich erfahren, dass der Frust und die Erschöpfung groß sind. Neben der Landwirtschaft versorgen sie Familie, Hof und pflegebedürftige Angehörige, kümmern sich um all das, was halt Frauen sonst auch selbstverständlich zugeschrieben wird: Sorgearbeit. Wir wollen die doppelte, oft ungedankte Care-Arbeit riesengroß sichtbar machen – das „Zvü“, das sie leisten müssen: Sie versorgen die Landwirtschaft und sorgen für die Familie. Meist ackern sie allein am Hof und ernten weder Sichtbarkeit noch Wertschätzung für ihre unersetzliche Arbeit.
Was nicht gesehen wird, gibt es nicht. Fast alle Frauen kennen dieses permanente Zuviel, die Doppel- und Dreifachbelastung. Wir werden immer wieder darauf hinweisen, dass Sorgearbeit Arbeit ist und nicht selbstverständlich. Wir werden immer wieder Missstände unübersehbar an Häuserfassaden sticken, SO LANGE, bis der unschätzbare Wert unserer Arbeit wahrgenommen, anerkannt und fair entlohnt wird.
SOLANGE schafft hoffentlich mit der Installation am Hasitschka Siloturm viel Aufmerksamkeit, sorgt für Diskussionsstoff und stößt Veränderungen an. Come join us in spreading equality!“
Dipl.-Ing. Sonja Hasitschka, Geschäftsführerin Hasitschka Agrarhandel GmbH:
„Auch in der Landwirtschaft tragen Frauen oft Doppelbelastungen, die es gilt sichtbar zu machen. Sei es die Betriebsführerin, die hauptberuflich für die Bewirtschaftung ihres landwirtschaftlichen Betriebes zuständig ist, nebenbei aber auch den Großteil der Care Arbeit und den Mental Load für ihre Familie trägt. Seien es die Frauen mit solider landwirtschaftlicher Ausbildung und großem Agrar-Interesse, denen aber die Betriebsnachfolge verwehrt bleibt. Oder seien es die vielen Landwirtinnen, die tagtäglich wichtige Leistungen am Hof und innerhalb der Familie erbringen, aber bei Investitionsentscheidungen und in Gremien nicht genug Mitsprache haben.
Es gibt im Bereich Gleichstellung noch viel zu tun und wir sind stolz, als Kooperationspartnerin von Katharina Cibulka und ihrem Team das nächste SOLANGE-Projekt nach mehreren internationalen Stationen nun ins Weinviertel auf unseren Siloturm zu bringen.“
Dem Netz voraus ging ein partizipativer Prozess vor Ort. Den Auftakt bildete am 4. März ein Workshop der Künstlerin mit rund 100 Schüler:innen des BG/BRG Groß-Enzersdorf, die ihre eigenen SOLANGE-Sätze auf vorgefertigte Postkarten schrieben. In den partizipativen Prozess eingebunden waren ebenfalls die Bäuerinnen aus der Region Gänserndorf. Alle Interessierten waren auch online bis Ende März 2026 eingeladen, ihre persönlichen SOLANGE-Sätze zu übermitteln. Mit rund 200 Einsendungen war die Resonanz sehr groß und reichte von geschlechtsspezifischen Stereotypen beim Beruf oder Sport bis hin zu landwirtschaftlichen Themen.
Während das 35. Solange Netz zu sehen ist, wird an der Fassade an einem weiteren Kunstwerk gearbeitet: Street Art Künstlerin Mariella Lehner malt mit SILOSOPHIE direkt an die Turmmauer zwei Vogelmotive: Falke und Schleiereule. Zeitgleich werden Nistkästen installiert, die den beiden Vogelarten als künftiges Zuhause dienen werden.
Danke an WEIN/4-Festival und Hasitschka für die Kooperation und die Zuverfügungstellung des Siloturms.
Fotocredits: Ferdinand Cibulka


