N°11 Akademie der Bildenden Künste, Schillerplatz, Wien
N°11 Akademie der Bildenden Künste, Schillerplatz, Wien
N°11 Akademie der Bildenden Künste, Schillerplatz, Wien
Januar - Juni 2020

AS LONG AS diversity is not state of the heart, I will be a feminist.

SOLANGE Diversität nicht Herzensangelegenheit ist, bin ich Feminist:in.

Bereits zum zweiten Mal wurde die eingerüstete Fassade der Akademie der Bildenden Künste Wien am Schillerplatz zum Interventionsort für feministische Kunst. War es im Sommer 2018 der Satz „As long as the art market is a boys´ club, I will be a feminist“, der großflächig in pinkem Tüll auf die Staubschutznetze der Akademie gestickt wurde, so verweist der neue SOLANGE-Satz der Künstlerin auf die mangelnde Diversität, nicht nur in der Kunst. „As long as diversity is not state of the heart, I will be a feminist“, war von 20. Jänner bis Ende Mai 2020 in übergroßen, leuchtend pinken Buchstaben vom Schillerplatz bis zum Ring zu sehen.

Diversität ist seit einiger Zeit eines der Schlagwörter im öffentlichen Diskurs über die Vielfalt von Menschen, die in unterschiedlichen Kontexten miteinander leben und arbeiten. Was hat Diversität mit Feminismus und darüber hinaus mit Kunst zu tun?

„Sehr viel!“ sagt Cibulka. „Ich verstehe unter Diversität die wertschätzende Haltung allen Menschen gegenüber, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Klasse, sexueller und religiöser Orientierung oder anderer Merkmale. Als Feministin setze ich mich für ein Miteinander auf Augenhöhe ein.“ Seit Jahrhunderten markiere bzw. definiere der weiße Mann die Norm. Natürlich habe sich schon Einiges getan, gebe es zahlreiche Fortschritte und Verbesserungen, aber von einer Gleichstellung auf allen Ebenen seien wir noch meilenweit entfernt, wie einschlägige Studien belegten. „Frauen und sogenannte Minderheiten werden vielfach nicht mit einbezogen, beispielsweise in der Forschung, in Gremien, Juries. Somit bleiben deren Meinungen und Expertisen weitgehend ungehört und unsichtbar. Insofern gibt es viele Berührungspunkte in den Diskursen.“, so Cibulka.

Dieser Unsichtbarkeit stellen Cibulka und ihr Team mit ihrem SOLANGE-Projekt Kunstwerke entgegen, die unübersehbar sind. Sie verlassen den elitären Raum der Galerien und Museen und generieren mit ihrer Baustellen-Kunst Aufmerksamkeit im öffentlichen Raum. Sie stellen Fragen, wo es noch feministischen Aufholbedarf Richtung Fairness gibt. Aus Gesprächen und Posts auf Instagram generieren sie Themenfelder, texten griffige Slogans und sticken diese auf die Staubschutznetze. Die pinken SOLANGE-Sätze regen zur Diskussion an. Nach Cibulkas Erfahrung kommen Menschen einander nur durch Dialog näher und können so Vorurteile überwinden – was zum zweiten Teil des Satzes führt: „state of the heart“

„Mit dem Wortspiel bzw. der Erweiterung von ‚state-of-the-art‘ hin zu ‚state of the heart‘ gelingt meines Erachtens die Brücke von der Kunst zum derzeitigen Zustand der Herzen: An der Hasskampagne gegen Justizministerin Alma Zadić wurde einmal mehr deutlich, dass Frauen mit Migrationshintergrund zur doppelten Zielscheibe werden – völlig ungeachtet ihrer Qualifikationen. Diversität sollte für uns alle eine Herzensangelegenheit sein, und mit Kunst kann ich direkt ins Herz treffen.“

Das Anliegen der Akademie besteht darin, die an der Universität entstehenden Kunstwerke auch nach außen zu tragen und somit einen Beitrag zur Transparenz dieser Institution zu schaffen. Da Katharina Cibulka Absolventin der Akademie ist und mit ihrem Baustellenprojekt SOLANGE auch international Aufmerksamkeit erregt, bot sich eine künstlerische Zusammenarbeit an.

 

 

Kooperationspartner:innen:
Akademie der Bildenden Künste Wien

 

© Fotocredits: Sebastian Eder, Katharina Cibulka