N°27 National Museum of Women in the Arts, Washington D.C., USA
N°27 National Museum of Women in the Arts, Washington D.C., USA
N°27 National Museum of Women in the Arts, Washington D.C., USA
Oktober 2022 - Februar 2023

AS LONG AS generations change but our struggles stay the same, I will be a feminist.

SOLANGE sich Generationen wandeln, doch die Ungerechtigkeiten bleiben, bin ich Feminist:in.

SOLANGE goes to Washington! Nach 26 bestickten Baustellen-Interventionen in Europa und Marokko macht die österreichische Künstlerin Katharina Cibulka nun einen großen Sprung und bringt ihr seriell angelegtes Kunstprojekt in den US-amerikanischen öffentlichen Raum.

Das NMWA (National Museum of Women in the Arts) in Washington D.C. hat die Künstlerin eingeladen, die ca. 1000 m2 große Außenfassade mit ihrem bisher größten bestickten Staubschutznetz zu gestalten. Dies ist für Cibulka eine große Ehre und neue Herausforderung. Mit ihren übergroßen pinken Botschaften tritt sie für eine faire Gesellschaft jenseits von Geschlechtergrenzen, Hautfarbe, Herkunft oder Religion ein.

Ganz im partizipativen Sinne von SOLANGE initiierte das NMWA einen Open Call und lud Freund:innen des Museums dazu ein, ihre Themen für einen SOLANGE-Satz zu posten. Aus dieser Sammlung kristallisierte sich ein zentrales Thema heraus: Die ernüchternde Tatsache, dass sich (feministische) Forderungen seit Jahrzehnten wiederholen und noch immer nicht erfüllt sind. Dem Gedanken folgend „The more things change, the more they stay the same.“ entwickelte Cibulka mit ihrem Team einen Satz, der sich an ein breites gesellschaftskritisches Publikum richtet:

AS LONG AS GENERATIONS CHANGE BUT OUR STRUGGLES STAY THE SAME, I WILL BE A FEMINIST.

SOLANGE SICH GENERATIONEN WANDELN, DOCH DIE UNGERECHTIGKEITEN BLEIBEN, BIN ICH FEMINIST:IN.

Mit dieser Botschaft rückt die Künstlerin all jene marginalisierten Gruppen in den Fokus, die immer wieder – auch über Generationen – mit Nachdruck ihre Rechte einfordern müssen. Massive Benachteiligungen auf allen gesellschaftspolitischen Ebenen betreffen nicht „nur“ Frauen, sondern genauso LGBTIQ und People of Color.

Dazu Katharina Cibulka:

„Gerade junge Menschen wissen oft gar nicht, wie sehr sich die vorige Generation für deren Rechte einsetzen, sie mühsam erkämpfen musste. Gleichberechtigung wird als selbstverständlich vorausgesetzt und als immerwährend empfunden. Dies ist ein fataler Irrtum. Unsere Rechte sind fragil und – je nach politischer Konstellation – jederzeit aushebelbar. Diese Erkenntnis ist eine wiederkehrende und schmerzliche Erfahrung.“

Die Künstlerin erhält immer wieder Mails von älteren Frauen, die es gar nicht fassen können, dass wir uns 2022 noch immer für die gleichen Anliegen einsetzen müssen wie vor 50 Jahren, zum Teil sogar dieselben Parolen verwenden. Der SOLANGE-Satz soll Bewusstsein dafür schaffen, dass sich Geschichte leidvoll wiederholt und wir massive gesellschaftliche Rückschritte nicht unhinterfragt hinnehmen dürfen.

Das im Juni erlassene Urteil des US-amerikanischen Höchstgerichts zur Aufhebung von legalen und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen war ein unglaublicher Schock für viele liberale Amerikaner:innen; Mütter und Großmütter, die für dieses Recht auf die Straße gegangen sind und sich jetzt fragen, was die neue Rechtslage für ihre Kinder bedeutet. Die Folgen dieses Urteils sind mannigfaltig und dramatisch.

Auch in Europa beobachten Feminist:innen besorgniserregende Backlashes. Konservative Kräfte propagieren ein rückwärts gerichtetes, rein binäres Rollenbild und erzielen damit Wahlerfolge. Umso dringlicher ist es, die bestehenden Schieflagen für alle sichtbar aufzuzeigen und Diskussionen darüber zu führen, warum Gleichberechtigung ein zentraler Baustein für eine progressive und offene Gesellschaft ist.

Cibulka hat die Vision, dass sich kommende Generationen nicht mehr an klassisch feministischen Themen abarbeiten müssen. Sie sollen die Freiheit haben, ihre Energie für den globalen Frieden und eine faire Verteilung von Ressourcen einzusetzen. Gleichberechtigung und Gleichwürdigkeit sollen die Basis bilden, von der aus wir mit aller Kraft am Erhalt unseres Planeten arbeiten können:

„Bei den vielschichtigen Problemen, die wir als Gesellschaft derzeit zu lösen haben – Krieg in Europa, Klimakrise, Pflegenotstand, Pandemien – spielen Frauen und andere marginalisierte Menschen eine sehr zentrale Rolle. Die gigantischen Herausforderungen sind nur in einem gemeinsamen Kraftakt zu meistern. Ich verstehe Feminismus als notwendiges Instrument und Bemühen darum, wechselseitiges Verständnis zu generieren, um Hand in Hand rasch ins Handeln zu kommen. Die Zeit der Ausbeutung ist vorbei, die universelle Solidarität ein absolutes Muss!“

In diesem Sinne: Come join us in spreading equality!

 

© Fotocredits: Kevin Allen